Der Router steht meist irgendwo im Flur, Keller oder Büro und fällt vor allem dann auf, wenn das Internet nicht funktioniert. Solange WLAN, Telefon und Streaming laufen, gibt es scheinbar wenig Grund, sich mit seiner Software zu beschäftigen. Genau das ist aus Sicherheitssicht ein schlechter Maßstab.
Ein Router verbindet das eigene Netz mit dem Internet und ist damit ein zentraler Bestandteil der Sicherheitsarchitektur. Sicherheitsupdates sind deshalb keine kosmetische Zugabe. Sie schließen bekannte Schwachstellen, verbessern Schutzmechanismen und halten Funktionen auf einem unterstützten Stand. Die entscheidende Frage lautet also nicht nur: „Funktioniert der Router noch?“, sondern auch: „Wird er noch gepflegt?“
Warum Router-Updates besonders wichtig sind
Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) empfiehlt, auch Heimrouter zeitnah und möglichst automatisch mit Sicherheitsupdates zu versorgen. Mit der Technischen Richtlinie BSI TR-03148 „Secure Broadband Router“ definiert das BSI grundlegende Sicherheitsanforderungen an Breitbandrouter für private Haushalte und Kleinstunternehmen.
NIST empfiehlt in seinen im September 2024 veröffentlichten Sicherheitsanforderungen für Consumer-Router (IR 8425A), dass Update-Pakete mindestens von der Quelle des Updates, etwa dem Hersteller, signiert werden. Der Grund ist unspektakulär, aber wichtig: Software ist nicht irgendwann „fertig“. Schwachstellen können auch lange nach dem Kauf entdeckt werden. Wird eine betroffene Firmware nicht mehr aktualisiert, verschwindet die Schwachstelle nicht dadurch, dass der Router weiterhin klaglos seinen Dienst verrichtet.
Alt bedeutet nicht automatisch unsicher
Das Baujahr allein ist kein sinnvoller Sicherheitsindikator. Ein älteres Modell, das weiterhin Sicherheitsupdates erhält und die benötigten Funktionen zuverlässig bereitstellt, muss nicht allein wegen seines Alters ersetzt werden. Umgekehrt kann ein technisch noch funktionierender Router problematisch werden, wenn der Hersteller keine Sicherheitsaktualisierungen mehr bereitstellt.
Deshalb wäre die pauschale Empfehlung „Router nach fünf Jahren austauschen“ unseriös. Es gibt keine universelle Altersgrenze, die für jeden Hersteller, jedes Modell und jeden Einsatzzweck gilt. Relevant sind der tatsächliche Supportstatus, verfügbare Firmware, bekannte Sicherheitsprobleme und die Anforderungen des eigenen Anschlusses und Netzes.
Woran erkenne ich, ob mein Router noch gepflegt wird?
Ein sinnvoller Check besteht aus wenigen Punkten:
- Exaktes Modell feststellen: Nicht nur „FRITZ!Box“ oder „Speedport“, sondern die genaue Modellbezeichnung.
- Installierte Firmware prüfen: Die Versionsnummer findet sich normalerweise in der Router-Oberfläche.
- Beim Hersteller nachsehen: Gibt es für genau dieses Modell eine neuere Firmware oder aktuelle Sicherheitshinweise?
- Update-Funktion kontrollieren: Falls automatische Updates unterstützt werden, sollte geprüft werden, welche Update-Stufe tatsächlich aktiviert ist.
- Supportstatus beachten: Wenn der Hersteller für das Modell keine Sicherheitsupdates mehr bereitstellt, sollte ein Austausch ernsthaft geprüft werden.
Wichtig: Die bloße Meldung „keine Updates verfügbar“ bedeutet nicht automatisch, dass ein Gerät aktuell unterstützt wird. Bei einem nicht mehr gepflegten Produkt kann dieselbe Meldung erscheinen – schlicht deshalb, weil gar keine neue Firmware mehr entwickelt wird. Deshalb gehört der Blick auf die Herstellerinformationen dazu.
Automatische Updates: bequem und meistens sinnvoll
Bei Geräten, die eine verlässliche automatische Aktualisierung anbieten, ist diese für viele Privatanwender die pragmatischste Lösung. Das BSI empfiehlt die zeitnahe und, wenn möglich, automatische Installation von Sicherheitsupdates. NIST empfiehlt für Consumer-Router signierte Update-Pakete.
Auch FRITZ!OS bietet eine Auto-Update-Funktion. Welche Optionen verfügbar sind und wie sie bezeichnet werden, hängt vom jeweiligen Modell und FRITZ!OS-Stand ab. Deshalb sollte die Einstellung am konkreten Gerät geprüft werden, statt eine Menüfolge aus irgendeiner alten Anleitung blind nachzuklicken.
Automatik bedeutet allerdings nicht, dass man den Router für die nächsten zehn Jahre vergessen kann. Ein automatisches Update hilft nur solange, wie der Hersteller für das Gerät überhaupt noch Updates bereitstellt.
Wann ist ein Austausch sinnvoll?
Ein neuer Router ist nicht allein deshalb besser, weil auf dem Karton eine größere Zahl steht. Ein Austausch wird aber sinnvoll, wenn einer oder mehrere dieser Punkte zutreffen:
- Das Modell erhält nach Herstellerangaben keine Sicherheitsupdates mehr.
- Bekannte Sicherheitsprobleme lassen sich für das eingesetzte Gerät nicht mehr durch ein Update beheben.
- Notwendige Sicherheitsfunktionen oder aktuelle Verschlüsselungsverfahren werden nicht unterstützt.
- Der Router erfüllt die technischen Anforderungen des Anschlusses oder des eigenen Netzes nicht mehr zuverlässig.
- Die Update-Situation ist beim Hersteller nicht nachvollziehbar und das Gerät ist gleichzeitig sicherheitskritisch eingesetzt.
Der letzte Punkt braucht etwas Augenmaß. Fehlende Hochglanz-Webseiten sind noch kein Sicherheitsproblem. Wenn sich aber nicht nachvollziehen lässt, ob ein Router überhaupt noch gepflegt wird, ist das bei einem Gerät am Übergang zwischen Heimnetz und Internet kein besonders überzeugendes Betriebskonzept.
Ein Update ersetzt keine vernünftige Konfiguration
Aktuelle Firmware ist eine Grundlage, aber kein Freifahrtschein. Sichere Zugangsdaten, sinnvoll konfigurierte Fernzugriffe, eine passende WLAN-Verschlüsselung und eine saubere Trennung von Geräten bleiben wichtig. Wer seine FRITZ!Box grundsätzlich prüfen möchte, findet dazu unseren Beitrag Die wichtigsten Ersteinstellungen für Ihre FRITZ!Box.
Für Smart-Home- und IoT-Geräte kann zusätzlich eine Netztrennung sinnvoll sein. Warum ein separates Netz helfen kann und wo dessen Grenzen liegen, erklären wir in Smart Home im selben WLAN? Warum getrennte Netze oft die bessere Idee sind.
Was ist mit Provider-Routern?
Bei vom Internetanbieter bereitgestellten Geräten kann die Update-Verteilung teilweise durch den Provider gesteuert werden. Das ändert aber nichts an der Kernfrage: Ist das konkrete Modell noch im Support und erhält es Sicherheitsaktualisierungen? Wer ein Miet- oder Providergerät verwendet, sollte bei Unklarheiten den Anbieter nach dem Supportstatus des exakten Modells fragen.
NIST nennt als Beispiel Router, die von einem Internetanbieter bereitgestellt werden: Dann kann auch der Anbieter Update-Pakete zusätzlich kryptografisch signieren. Deshalb sollte man nicht automatisch davon ausgehen, dass die Updateverwaltung bei jedem Router identisch funktioniert.
Fazit: Funktionieren reicht nicht
Ein Router muss nicht ersetzt werden, nur weil er ein paar Jahre auf dem Buckel hat. Aber „läuft doch noch“ ist ebenso wenig ein Sicherheitskonzept. Entscheidend ist, ob das konkrete Gerät weiterhin gepflegt wird, aktuelle Sicherheitsupdates erhält und die benötigten Schutzfunktionen unterstützt.
Für die Praxis reicht deshalb ein regelmäßiger kurzer Check: Modell kennen, Firmwarestand prüfen, Herstellerinformationen kontrollieren und – wenn sinnvoll – automatische Updates aktivieren. Erst wenn der Support endet oder technische Anforderungen nicht mehr erfüllt werden, wird ein Austausch wirklich interessant. Das spart unnötige Neukäufe und verhindert gleichzeitig, dass ein längst vergessenes Gerät dauerhaft ungepatcht am Rand des Heimnetzes weiterläuft.
Quellen & weiterführende Informationen
- BSI: Basistipps zur IT-Sicherheit – Hinweise zu zeitnahen und möglichst automatischen Sicherheitsupdates, einschließlich Heimrouter.
- BSI TR-03148: Secure Broadband Router – Sicherheitsanforderungen an Breitbandrouter für private Haushalte und Kleinstunternehmen.
- NIST IR 8425A: Recommended Cybersecurity Requirements for Consumer-Grade Router Products, September 2024.
- AVM: FRITZ!OS per Online-Update aktualisieren – Herstellerinformation zu Online-Update und Auto-Update.
Alle Quellen abgerufen am 01.11.2026.

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