Der alte Rechner läuft noch mit Windows 10 oder ist schlicht in die Jahre gekommen, der neue Windows-11-PC ist bestellt. Bleibt die Frage, die beim Gerätewechsel jedes Mal unterschätzt wird: Wie kommen Dokumente, Fotos, E-Mails und Einstellungen sauber hinüber – ohne dass hinterher die Hälfte fehlt?
Ausgerechnet dafür hatte Microsoft seit 2025 ein praktisches Werkzeug verteilt: eine direkte Übertragung von PC zu PC über das eigene Netzwerk, eingebaut in die App „Windows-Sicherung“. Im September 2026 hat Microsoft diese Funktion wieder gestrichen. Dieser Beitrag erklärt, was genau weggefallen ist, was die verbleibende Microsoft-Lösung kann und was nicht – und wie ein Umzug in der Praxis gelingt, auch ohne Microsoft-Konto.
Was Microsoft gestrichen hat
Die Funktion hieß „PC-zu-PC-Migration“. Bei der Ersteinrichtung des neuen Rechners ließ sich das alte Gerät über einen Einmal-Code koppeln, anschließend wanderten Dateien und einige Einstellungen wie Hintergrundbild und Design direkt über WLAN oder Netzwerkkabel hinüber. Ohne Cloud, ohne externe Festplatte.
Mit den am 10. September 2026 veröffentlichten Vorschau-Builds für Windows 11 24H2 und 25H2 hat Microsoft die Funktion entfernt. In den englischen Versionshinweisen heißt es knapp: „PC-to-PC Migration is no longer available.“ (sinngemäß: Die PC-zu-PC-Migration steht nicht mehr zur Verfügung.) Auch Microsofts Hilfeseite zur Übertragung auf einen neuen PC trägt inzwischen den Hinweis, die Funktion sei nicht mehr verfügbar, und verweist stattdessen auf die Windows-Sicherung. In den abgerufenen Quellen nennt Microsoft keine Begründung.
Ganz kurios: Die Hilfeseite beschreibt im unteren Teil weiterhin Schritt für Schritt, wie die gestrichene Funktion bedient wird. Wer also eine Anleitung findet, die nach „An einen neuen PC übertragen“ verlangt, und den Knopf auf dem eigenen Rechner nicht sieht, macht nichts falsch.
Was übrig bleibt: die Windows-Sicherung mit Microsoft-Konto
Microsofts verbleibender Weg ist die App „Windows-Sicherung“ auf dem alten Rechner. Laut Microsoft sichert sie:
- Ordner: Desktop, Dokumente, Bilder, Videos und Musik – und zwar per Synchronisation in OneDrive.
- Apps: eine Liste der installierten Apps. Auf dem neuen PC erscheinen sie als Verknüpfungen im Startmenü; Apps aus dem Microsoft Store lassen sich darüber neu installieren, bei anderen Programmen führt der Eintrag laut Microsoft zum Download im Web.
- Einstellungen: unter anderem WLAN-Netze samt Kennwörtern, Bedienungshilfen, Sprache, Hintergrund und Startmenü-Layout sowie einige Einstellungen etwa für Drucker, Maus und Explorer.
Auf dem neuen PC melden Sie sich bei der Ersteinrichtung mit demselben Microsoft-Konto an, und Windows bietet an, die Sicherung wiederherzustellen. Das ist komfortabel, hat aber Bedingungen, die man kennen sollte:
- Persönliches Microsoft-Konto nötig. Wer mit einem lokalen Konto arbeitet, muss laut Microsoft auf ein Microsoft-Konto umstellen. Geschäfts- oder Schulkonten werden für die Windows-Sicherung nicht unterstützt.
- Der Speicherplatz ist knapp. Ein kostenloses Microsoft-Konto enthält 5 GB OneDrive-Speicher. Eine einzige Fotosammlung sprengt das schnell; wer mehr braucht, muss Speicher hinzukaufen.
- Nur die bekannten Ordner. Daten, die außerhalb von Desktop, Dokumenten, Bildern, Videos und Musik liegen – etwa auf einer zweiten Partition oder in Programmordnern –, sind nicht automatisch dabei.
- Programme werden nicht übertragen. Klassische Desktop-Programme müssen neu installiert und gegebenenfalls neu aktiviert werden.
Ein Punkt verdient besondere Aufmerksamkeit: Die Ordnersicherung ist eine OneDrive-Synchronisation. Das ist für den Umzug praktisch, aber keine eigenständige Datensicherung. Warum das ein Unterschied ist, haben wir in „Cloud synchronisiert – also Backup?“ ausführlich erklärt.
Der unspektakuläre Klassiker: externe Festplatte
Ohne Microsoft-Konto, ohne Cloud-Abo und ohne Abhängigkeit von einer Funktion, die morgen wieder verschwinden kann: Den Weg über eine externe Festplatte oder SSD beschreibt Microsoft selbst. Auf dem alten PC kopieren Sie die gewünschten Ordner im Explorer auf das Laufwerk, prüfen, ob alles angekommen ist, und werfen es sicher aus. Auf dem neuen PC kopieren Sie die Daten an die passende Stelle. Microsoft empfiehlt, mindestens Dokumente, Desktop, Downloads, Favoriten, Musik, Bilder und Videos zu kontrollieren.
Das ist weniger elegant, aber transparent: Sie sehen genau, was kopiert wurde. Und die Festplatte ist nach dem Umzug gleich eine zusätzliche Kopie, bis der neue Rechner in die reguläre Datensicherung eingebunden ist. Wer ein NAS im Netzwerk hat, kann es genauso als Zwischenstation nutzen. Ein NAS ersetzt dabei aber ebenfalls kein Backup – siehe „NAS vorhanden – Backup erledigt?“.
Daneben gibt es kommerzielle Umzugsprogramme, die versprechen, auch installierte Programme mitzunehmen. Ob ein so übertragenes Programm auf dem neuen Rechner sauber läuft und lizenziert bleibt, hängt stark vom einzelnen Programm ab. Eine Neuinstallation ist in der Regel der sauberere Weg, gerade bei Software, die man ohnehin aktualisieren sollte.
Was bei jedem Umzug gern vergessen wird
Egal welcher Weg: Die eigentlichen Probleme liegen selten bei den Fotos im Bilder-Ordner, sondern bei Daten, die woanders stecken. Eine kurze Liste, die Sie vor dem Umzug durchgehen sollten:
Passwörter und Anmeldungen
Gespeicherte Passwörter und Anmeldedaten hat schon die gestrichene PC-zu-PC-Funktion laut Microsoft nicht übertragen. Im Browser gespeicherte Kennwörter kommen in der Regel über die Synchronisation des Browser-Kontos mit oder müssen exportiert werden. Wer einen Passwort-Manager nutzt, ist hier klar im Vorteil – mehr dazu in „Schluss mit Passwort-Zetteln“. Prüfen Sie außerdem, ob Ihre Zwei-Faktor-App an das Smartphone und nicht an den alten PC gebunden ist.
Liegt das Postfach bei einem Anbieter und wird per IMAP oder über Microsoft 365 abgerufen, genügt auf dem neuen PC meist das erneute Einrichten des Kontos. Kritisch sind lokal gespeicherte Archive, etwa POP3-Postfächer oder PST-Archivdateien in Outlook. Die liegen nur auf dem alten Rechner und müssen gezielt mitgenommen werden.
Programme, Lizenzen und Fachdaten
Notieren Sie, welche Programme Sie tatsächlich nutzen, und suchen Sie Lizenzschlüssel und Zugangsdaten vorher heraus. Bei Software mit begrenzter Anzahl an Aktivierungen sollte die Lizenz auf dem alten Gerät freigegeben werden. Für Selbstständige und kleine Betriebe besonders wichtig: Fachprogramme wie Buchhaltung, Warenwirtschaft oder Praxissoftware speichern ihre Daten oft in eigenen Verzeichnissen oder Datenbanken. Hier gehört der Umzug nach Anleitung des Herstellers oder mit dessen Support geplant, nicht per Ordnerkopie.
Kleinigkeiten mit großer Wirkung
- Browser-Lesezeichen, falls der Browser nicht mit einem Konto synchronisiert.
- Der Downloads-Ordner, in dem erstaunlich oft wichtige Rechnungen und Formulare liegen.
- Daten auf weiteren Laufwerken oder Partitionen, etwa „D:“.
- Netzlaufwerke und Druckerzuordnungen, die im Büro auf dem neuen Gerät neu verbunden werden müssen.
Eine sinnvolle Reihenfolge
- Bestandsaufnahme: Welche Daten, Programme, Konten und Geräte hängen am alten PC?
- Vollständige Sicherung des alten Rechners, unabhängig vom Umzugsweg. Fällt der Umzug schief, ist das Ihre Rückversicherung.
- Umzugsweg wählen: Windows-Sicherung, wenn ein Microsoft-Konto genutzt wird und der OneDrive-Speicher reicht; sonst externe Festplatte oder NAS.
- Neuen PC einrichten, Updates installieren, Programme frisch installieren, Daten zurückspielen.
- Kontrollieren: Öffnen Sie stichprobenartig Dateien aus jedem wichtigen Ordner, rufen Sie Mails ab und testen Sie die Fachprogramme.
- Erst danach den alten Rechner ausmustern. Wie das sicher geht, steht in „Alten PC verkaufen? So sind Ihre Daten wirklich weg“. Ein paar Wochen Schonfrist für das Altgerät sind eine günstige Versicherung, falls doch noch etwas fehlt.
Grenzen und offene Punkte
- Die Streichung steht in den Versionshinweisen der Release-Preview-Builds vom 10. September 2026 (Windows 11, Version 24H2/25H2). Wann sie bei allen Geräten ankommt, haben wir nicht belegt. Ob ein bestimmter Rechner die Funktion noch anzeigt, hängt vom Update-Stand ab. Verlassen sollten Sie sich darauf nicht mehr.
- In den abgerufenen Quellen nennt Microsoft keinen Grund für die Entfernung und kündigt nicht an, ob ein Ersatz für die lokale Übertragung kommt.
- Was die Windows-Sicherung genau sichert, kann sich mit Updates ändern. Maßgeblich ist die aktuelle Microsoft-Hilfeseite. Menübezeichnungen können je nach Version abweichen.
Fazit: Umzug planen statt auf den Zauberknopf hoffen
Der Wegfall der PC-zu-PC-Migration ist ärgerlich, aber kein Drama. Für Privatnutzer mit Microsoft-Konto und überschaubarer Datenmenge ist die Windows-Sicherung ein bequemer Weg. Wer ein lokales Konto nutzt, viele Daten hat oder die Kontrolle behalten möchte, fährt mit der externen Festplatte gut – sie war ohnehin nie verschwunden. Entscheidend ist bei jedem Weg dasselbe: vorher vollständig sichern, die versteckten Daten nicht vergessen und den alten Rechner erst abgeben, wenn auf dem neuen alles nachweislich funktioniert.
Sie ersetzen gerade mehrere Rechner im Betrieb oder haben Fachsoftware, deren Umzug Sie nicht dem Zufall überlassen möchten? Hintergründe zur Lage bei Windows 10 finden Sie in „Windows 10 bleibt länger abgesichert“. Und DGH-IT schaut sich den Umzug gern mit Ihnen an – ohne Verkaufsdruck.
Quellen & weiterführende Informationen
- Microsoft Support: Transfer your files and settings to a new Windows PC – Hinweis „no longer available“, Umfang und Grenzen der früheren Übertragung (keine Programme, keine Kennwörter); abgerufen 1. November 2026.
- Microsoft Windows Insider Blog: Announcing Windows 11 Release Preview Builds 26100.9539/26200.9539 – Versionshinweise mit der Entfernung der PC-zu-PC-Migration; 10. September 2026.
- Microsoft Support: Sichern und Wiederherstellen mit der Windows-Sicherung – gesicherte Ordner, Apps und Einstellungen, 5 GB OneDrive-Speicher, Kontovoraussetzungen; abgerufen 1. November 2026.
- Microsoft Support: Dateien mit einem externen Speichergerät auf einen neuen Windows-PC verschieben – Vorgehen und empfohlene Ordner; abgerufen 1. November 2026.
- Borns IT- und Windows-Blog: Windows 11 – Microsoft streicht lokale PC-zu-PC-Migration – betroffene Builds und Einordnung; 11. September 2026.
- Windows Latest: Microsoft built a local PC-to-PC transfer tool for Windows 11, now it’s killing it … – Vergleich lokale Übertragung und OneDrive-basierte Sicherung; 16. September 2026.

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