Die FRITZ!Box gehört zu den Geräten, die man am liebsten nie wieder anfasst, sobald das Internet läuft. Seit Ende September verteilt der Hersteller FRITZ! nun allerdings FRITZ!OS 8.50 – eines der umfangreicheren Updates der letzten Zeit. Mit dabei: ein eingebauter DNS-Filter gegen Werbung, Tracker und Phishing-Domains, automatische Priorisierung von Videocalls, Verbesserungen bei WireGuard-VPN und ein vereinfachter Modus für FRITZ!Fon-Telefone.
Und eine unscheinbare Änderung, über die man in Heimnetz oder Büro stolpern kann, wenn man sie nicht kennt. Dieser Beitrag sortiert: wer das Update wann bekommt, welche Neuerungen im Alltag wirklich etwas bringen und was Sie nach der Installation kurz prüfen sollten.
Wer bekommt FRITZ!OS 8.50 – und wann?
Der Rollout läuft schrittweise. Stand 1. November 2026 ist die finale Version 8.50 laut Herstellerseite, PC-Welt und WinFuture für diese Geräte verfügbar:
- FRITZ!Box 7690: seit 29. September 2026 (Start des Rollouts),
- FRITZ!Box 5630: seit 8. Oktober 2026,
- FRITZ!Box 5690: seit 15. Oktober 2026 (laut Versionstabelle der PC-Welt),
- FRITZ!Box 7530 AX: seit 22. Oktober 2026 (laut Versionstabelle der PC-Welt),
- FRITZ!Smart Gateway: ebenfalls mit 8.50 versorgt.
Weitere Modelle sollen laut Hersteller folgen („other models will follow“ auf der englischen Herstellerseite, sinngemäß übersetzt); PCtipp und BornCity sprechen von den „nächsten“ bzw. „kommenden Wochen“ für weitere aktuelle FRITZ!Box- und Repeater-Modelle. Einen festen Zeitplan je Modell nennt FRITZ! in den von uns gelesenen Quellen nicht. Wer ein anderes Modell hat, muss also nichts tun außer abzuwarten – vorausgesetzt, die automatische Update-Funktion ist aktiv. Warum das bei einem Router keine Nebensache ist, steht in unserem Beitrag „Router-Updates: Warum ‚läuft doch noch‘ kein Sicherheitskonzept ist“.
Wichtig: Nicht jede Neuerung kommt auf jedes Modell. Den DNS-Filter und die automatische Erkennung von Videokonferenzen und Gaming will FRITZ! laut den Berichten zum Rollout nur für „ausgewählte Modelle“ und teils erst mit späteren Updates nachreichen. Welche Funktionen Ihr Gerät tatsächlich erhält, steht in den Update-Hinweisen zu genau Ihrem Modell auf fritz.com – nicht in der allgemeinen Ankündigung.
Die Neuerungen, die im Alltag zählen
DNS-Filter direkt in der FRITZ!Box
Die auffälligste Neuerung: Die FRITZ!Box kann Listen unerwünschter Domains einlesen und Anfragen an diese Domains blockieren – für Heim- und Gastnetz. Laut FRITZ! lassen sich dafür öffentlich verfügbare Filterlisten gegen Werbung, Tracker und Schadsoftware nutzen, die automatisch in Intervallen oder manuell aktualisiert werden. Für Ausnahmen gibt es eine eigene Konfiguration. Die Funktion findet sich laut FRITZ! in den erweiterten Netzwerkeinstellungen unter Heimnetz → Netzwerk → Netzwerkeinstellungen → Erweiterte Netzwerkeinstellungen → DNS-Filter (so beschreibt es die englische FRITZ!-Seite zum Labor 8.40, sinngemäß übersetzt).
Das Prinzip ist dasselbe wie bei Pi-hole oder AdGuard Home, die wir in „Ad-Blocker für das gesamte Heimnetzwerk“ vorgestellt haben – nur ohne Zusatzgerät. Damit gelten auch dieselben Grenzen:
- Nur wer fragt, wird gefiltert: FRITZ! beschreibt die Filterung für Heimnetzgeräte, die ihre IP-Einstellungen von der FRITZ!Box übernehmen. Ein Gerät mit fest eingetragenem fremdem DNS-Server, aktivem VPN oder im Browser eingeschaltetem „DNS über HTTPS“ fragt an der FRITZ!Box vorbei – und wird nicht gefiltert.
- Keine Werbung von derselben Domain: Kommen Werbung und Inhalt vom selben Server, kann ein DNS-Filter nichts unterscheiden.
- Zu viel des Guten: Aggressive Listen blockieren gern auch Dinge, die man braucht – Links in Newslettern, Shop-Funktionen, App-Anmeldungen. Wer die Funktion einschaltet, sollte mit einer gemäßigten Liste beginnen und wissen, wo die Ausnahmen gepflegt werden.
Braucht man jetzt noch ein Pi-hole? Wer nur einen soliden Grundfilter möchte, kommt mit der FRITZ!Box-Lösung womöglich aus und spart sich ein weiteres Gerät, das gepflegt werden will. Wer bereits ein Pi-hole betreibt und dessen Statistiken oder Gruppenregeln nutzt (siehe unseren Pi-hole-Beitrag), hat keinen Grund zum Umbau. Zwei Filterstufen mit unterschiedlichen Listen hintereinander machen die Fehlersuche allerdings nicht einfacher – im Zweifel eine Stelle bewusst als „die“ Filterstelle festlegen.
Automatische Priorisierung von Videocalls
FRITZ!OS 8.50 soll echtzeitkritische Anwendungen wie Videokonferenzen und Videotelefonie automatisch erkennen und bevorzugt behandeln, laut Release Notes jetzt auch in Richtung Heimnetz. Für das Homeoffice ist das eine sinnvolle Komfortfunktion: Der große Download auf dem Rechner nebenan soll das Teams-Meeting weniger stören.
Zur Einordnung: Priorisierung verteilt vorhandene Bandbreite um, sie erzeugt keine neue. Liegt der Engpass im schwachen WLAN im Arbeitszimmer, hilft sie wenig – dann ist eher ein Blick auf Mesh oder Repeater oder schlicht ein Netzwerkkabel fällig.
WireGuard-VPN und Freigaben
Für alle, die von unterwegs per VPN ins Heim- oder Büronetz gehen, bringt 8.50 laut Release Notes unter anderem eine einstellbare MTU und einen Kill-Switch für WireGuard sowie Verbesserungen bei der Portweiterleitung für VPN-Standortverbindungen. Das ist eher Feinschliff für bestehende Setups als ein Grund, VPN jetzt neu zu planen. Wer zu Hause eine FRITZ!Box als kleines NAS nutzt: Die Zahl möglicher Freigaben steigt von 20 auf bis zu 250.
Kurz notiert
- Einfacher Modus für FRITZ!Fon: Menüs auf das Telefonieren reduziert, Schnellwahltasten und ein SOS-Ruf, der bis zu vier Notfallkontakte nacheinander anruft. Interessant für ältere Angehörige – vorher mit ihnen ausprobieren, nicht nur einschalten.
- Smart Check in der MyFRITZ!App: zeigt den Zustand von Internet, WLAN, Telefonie und Smart Home samt Hinweisen. Voraussetzung laut Release Notes: MyFRITZ!App 2.16.0 (iOS) bzw. 2.29.0 (Android).
- Smart Home: Routinen mit mehreren Auslösern und Geofencing, etwa „erst schalten, wenn die letzte Person das Haus verlassen hat“, sowie Abschalten von FRITZ!-Steckdosen bei Überlast.
- Umstieg von DSL auf Glasfaser: ein Einrichtungsassistent für den Wechsel beim selben Anbieter.
Die Änderung, die Sie kennen sollten: „fritz.box“ wird nicht mehr verteilt
Bisher hat die FRITZ!Box allen Geräten im Netz per DHCP den Domainnamen „fritz.box“ mitgegeben. Praktischer Nebeneffekt: Wer im Netz nur „nas“ oder „drucker“ eintippte, bekam von seinem Gerät automatisch „nas.fritz.box“ ergänzt – und die FRITZ!Box löste den Namen auf.
Laut den Release Notes ist damit in der Voreinstellung Schluss: Heimnetzgeräte erhalten das Suffix „fritz.box“ nicht mehr per DHCP, und fehlgeschlagene Namensanfragen werden nicht mehr automatisch mit dieser Endung wiederholt. Spürbar wird das spätestens, wenn die Geräte ihre Netzwerkeinstellungen neu beziehen.
Wer kann betroffen sein? Alle, die Geräte im Netz über einen Kurznamen ansprechen: Netzlaufwerke wie \\nas\daten, Druckeranschlüsse, Lesezeichen auf die Oberfläche einer Smart-Home-Zentrale, Backup-Jobs oder kleine Skripte. Ob es im Einzelfall tatsächlich hakt, hängt vom Gerät und Betriebssystem ab – manche finden Nachbargeräte auch auf anderen Wegen. Bemerkbar macht sich das Problem typischerweise als „Netzlaufwerk nicht erreichbar“ oder „Drucker offline“, ohne dass sich am Gerät etwas geändert hat.
Was hilft?
- Das alte Verhalten wieder einschalten: laut Release Notes unter Heimnetz → Netzwerk → Netzwerkeinstellungen → Erweiterte Netzwerkeinstellungen → IPv4 → DHCP. Das ist der schnellste Weg, wenn vieles auf Kurznamen aufbaut.
- Für wichtige Geräte wie NAS und Drucker ohnehin sinnvoll: in der FRITZ!Box immer dieselbe IP-Adresse zuweisen lassen und die Verbindung darüber einrichten.
- Die Oberfläche der FRITZ!Box selbst ist im Zweifel über ihre IP-Adresse erreichbar, ab Werk 192.168.178.1, sofern niemand den Adressbereich geändert hat. Laut Release Notes unterstützt die Box zusätzlich lokale Namen wie
fritzbox.local.
Ein Grund für die Änderung steht in den uns vorliegenden Auszügen der Release Notes nicht. Zur Einordnung: „fritz.box“ war laut Computerwoche im Januar 2024 von Unbekannten als echte Internet-Domain registriert worden. Geräte, die an der FRITZ!Box vorbei einen externen DNS-Server nutzten, landeten damals beim Aufruf von „fritz.box“ auf einer fremden Webseite. Ob dieser Vorfall hinter der neuen Voreinstellung steckt, sagt der Hersteller in den uns vorliegenden Quellen nicht.
Vor und nach dem Update: die Fünf-Minuten-Checkliste
Vorher
- Einstellungen sichern: In der Oberfläche unter System → Sicherung eine Sicherungsdatei anlegen, mit einem starken Kennwort schützen und dieses Kennwort notieren. Ohne Kennwort ist die Sicherung im Ernstfall wertlos.
- Im Betrieb: Update außerhalb der Arbeitszeit einspielen. Während des Neustarts sind Internet, Telefonie und WLAN kurzzeitig weg.
Nachher
- Version prüfen: Unter System → Update sollte 8.50 stehen.
- Heimnetz-Dienste testen: Netzlaufwerk öffnen, Testseite drucken, Smart-Home-Zentrale aufrufen, Scan-to-Mail oder Scan-to-Ordner am Multifunktionsgerät ausprobieren.
- Telefonie testen: einmal raus- und einmal reintelefonieren.
- VPN von außen testen: per Smartphone im Mobilfunknetz verbinden, nicht aus dem eigenen WLAN.
- DNS-Filter erst danach: Wer ihn nutzen möchte, schaltet ihn bewusst nach dem Update ein und testet Onlinebanking, Shop, Firmen-Apps. Sonst weiß man bei Problemen nicht, ob das Update oder der Filter schuld ist.
Grenzen und offene Punkte
- Der Funktionsumfang unterscheidet sich je Modell. Die Angaben hier beruhen auf der Herstellerankündigung und den Release Notes zu den ersten Modellen; der Modellstand ist der vom 1. November 2026.
- Ein DNS-Filter ist eine zusätzliche Schutzschicht, kein Virenschutz und keine Garantie gegen Phishing. Wer auf eine gefälschte Seite hereinfällt, deren Domain auf keiner Liste steht, wird nicht gebremst.
- Provider-Boxen erhalten Updates teils über den Anbieter und gegebenenfalls zu anderen Zeitpunkten.
- Menübezeichnungen können je Modell und Version leicht abweichen. Die Suchfunktion der FRITZ!Box-Oberfläche hilft.
Fazit: Gutes Update – mit einem Stolperstein
FRITZ!OS 8.50 ist ein Update, das man installieren sollte, und keines, vor dem man sich fürchten muss. Der eingebaute DNS-Filter macht für viele Haushalte ein Zusatzgerät überflüssig, die Videocall-Priorisierung ist im Homeoffice ein netter Bonus, und der einfache Telefonmodus kann im Familienalltag mehr bringen als manches High-End-Feature. Die einzige Änderung mit echtem Stolperpotenzial ist das nicht mehr verteilte „fritz.box“-Suffix – und die lässt sich mit einem Haken rückgängig machen, wenn man weiß, wo er sitzt.
Die vernünftige Reihenfolge: Einstellungen sichern, Update einspielen, Netzlaufwerke, Drucker, Telefon und VPN kurz testen, und erst dann neue Funktionen wie den DNS-Filter einschalten. Grundlegende Einstellungen jenseits des Updates finden Sie in „Die wichtigsten Ersteinstellungen für Ihre FRITZ!Box“. Im Büro hängt nach dem Update plötzlich der Drucker, oder Sie möchten den DNS-Filter sauber einrichten? DGH-IT schaut sich das gern mit Ihnen an – ohne Verkaufsdruck.
Quellen & weiterführende Informationen
- FRITZ!: FRITZ!OS 8.50 – Herstellerseite zu Neuerungen, DNS-Filter, Priorisierung, Smart Check, Einfacher Modus, Failsafe; abgerufen 1. November 2026.
- FRITZ!: Zusatzinformationen zum FRITZ! Labor 8.40 – Funktionsweise und Einrichtung der DNS-Filterlisten (Aktualisierung, Ausnahmen, betroffene Geräte); abgerufen 1. November 2026.
- Deskmodder: FRITZ!Box 5690 steigt in die Labor-Updates für das FRITZ!OS 8.50 ein – Release-Notes-Auszüge u. a. zu fritz.box-Suffix, DHCP-Menüpfad, lokalen .local-Namen, WireGuard, Freigaben; 23. Juli 2026.
- Deskmodder: FRITZ!Box 7690 erhält das FRITZ!OS 8.50 – Release-Notes-Auszüge zur finalen Version, MyFRITZ!App-Voraussetzungen für Smart Check; 29. September 2026.
- WinFuture: FritzOS 8.50 – Das riesige Update steht für die zweite FritzBox bereit – FRITZ!Box 5630, Hinweis auf fritz.box-Änderung; 8. Oktober 2026.
- PC-Welt: Die neuesten Updates für Fritzbox & Co. – Versionsstände u. a. 7690, 5630, 5690, 7530 AX, Smart Gateway; abgerufen 1. November 2026.
- PCtipp: FRITZ! bringt großes Update FRITZ!OS 8.50 – gestaffelter Rollout, DNS-Filter und Priorisierung nur für ausgewählte Modelle; 7. Oktober 2026.
- BornCity: FRITZ!OS 8.50 – Update startet für die FRITZ!Box 7690 – Rollout-Stand, Kill-Switch, Freigaben, fritz.box-Hinweis; abgerufen 1. November 2026.
- Computerwoche: Router-Oberfläche über „fritz.box“ nicht erreichbar – Registrierung von fritz.box durch Dritte im Januar 2024, Zugriff über 192.168.178.1; 18. März 2024.
- schieb.de: Fritz!Box-Konfiguration richtig sichern und wiederherstellen – Menüpfad System → Sicherung, Kennwort für die Sicherungsdatei; aktualisiert 5. März 2026.

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