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WPSplinter: Was die WLAN-Lücke in alten Routern bedeutet

Seit einigen Tagen geistert ein neuer Name durch die Technikpresse: „WPSplinter“. Gemeint ist eine Schwachstelle in einem alten WLAN-Baustein des Chipherstellers Broadcom, der in Routern vieler Marken steckt. In deutschen Meldungen tauchen dabei auch ältere Speedports der Telekom und eine EasyBox von Vodafone auf. Das Unangenehme daran: Für einen Teil der Geräte wird es voraussichtlich nie ein Update geben, und der naheliegende Reflex „dann schalte ich eben WPS ab“ hilft nach Angaben des Entdeckers womöglich nicht.

Kein Grund zur Panik – aber ein guter Anlass, einmal nachzusehen, welche Geräte bei Ihnen eigentlich WLAN ausstrahlen. Auch die, an die seit Jahren niemand mehr gedacht hat.

Was bekannt ist – und was nicht

Der Sicherheitsforscher Quentin Kaiser hat die Lücke am 16. Oktober 2026 auf der Sicherheitskonferenz Hexacon in Paris vorgestellt und parallel ausführlich dokumentiert. Betroffen ist Broadcoms älterer WPS-Baustein. WPS (Wi-Fi Protected Setup) ist die Funktion, mit der Geräte per Tastendruck oder PIN ins WLAN kommen, ohne dass man das Passwort eintippen muss.

Laut Kaiser lassen sich über speziell präparierte Funkpakete Speicherinhalte des Routers auslesen und eigener Code ausführen. In seinen Tests konnte er so unter anderem das gespeicherte WLAN-Passwort auslesen. Die Voraussetzungen sind niedrig:

  • Der Angreifer muss sich in Funkreichweite befinden. Ein Massenangriff quer über das Internet ist damit nicht möglich.
  • Er braucht weder das WLAN-Passwort noch eine abgeschlossene WPS-Anmeldung. Der fehlerhafte Programmteil ist schon vorher erreichbar.
  • Laut Kaiser funktioniert der Angriff auch über größere Entfernungen. „In Funkreichweite“ kann also auch heißen: im Auto vor dem Haus.

Der Fehler steckt nach Angaben des Forschers seit mindestens 2010 in Broadcoms Software. 2018 lieferte Broadcom eine unvollständige Korrektur aus und ersetzte den Baustein in neueren Versionen seines Entwicklungspakets durch die Open-Source-Software hostapd. Bei vielen Routerherstellern ist dieser Wechsel offenbar nie angekommen. Eine CVE-Nummer gibt es nicht: Broadcom hat die Vergabe abgelehnt, weil die Software veraltet sei und nicht mehr unterstützt werde.

Was noch offen ist

Kaiser selbst berichtet nicht von Angriffen in freier Wildbahn, er hat die Angriffe an Testgeräten vorgeführt. Auch die Geräteliste ist ausdrücklich unvollständig und nicht durchgehend bestätigt: Manche Einträge sind nachgewiesen, andere gelten nur als wahrscheinlich betroffen, und nicht jede Hardware- oder Firmware-Version eines Modells verhält sich gleich.

Welche Geräte in Deutschland genannt werden

Die Projektseite zu WPSplinter führt unter anderem diese in Deutschland verbreiteten Provider-Router auf (Stand bei Abruf am 1. November 2026):

  • Telekom Speedport W 723V Typ A – alle Versionen
  • Telekom Speedport W 724V Typ A – alle Versionen
  • Telekom Speedport Hybrid – alle Versionen
  • Telekom Speedport W 724V Typ C – vermutlich betroffen, nicht abschließend bestätigt
  • Vodafone EasyBox 804 – betroffen mindestens bis Firmware 05.02_5_4_8_1_325_1_21_1_8

Daneben nennen Berichte Router und Access Points von Herstellern wie Netgear, TP-Link und Cisco sowie zahlreiche Kabelrouter belgischer Provider. Eine vollständige Modellliste gibt es nicht.

Vodafone erklärte gegenüber inside-digital, alle aktuell verkauften Router und „nahezu alle Router, die bei Vodafone-Kunden tatsächlich im Einsatz sind“ seien nicht betroffen; eine kleine Zahl alter Geräte werde noch geprüft. Von der Telekom lag zu diesem Zeitpunkt keine Stellungnahme vor. FRITZ!Boxen tauchen in der Liste nicht auf. Das ist erfreulich, aber keine offizielle Entwarnung – eine Aussage des Herstellers zu WPSplinter haben wir bei Redaktionsschluss nicht gefunden.

Auffällig ist: Die genannten deutschen Modelle sind allesamt ältere Geräte. Wer heute einen aktuellen Router seines Anbieters nutzt, ist nach jetzigem Stand eher nicht der typische Kandidat. Das eigentliche Risiko sitzt woanders.

Das eigentliche Problem: der vergessene Zweitrouter

Alte Provider-Router werden selten entsorgt. Sie wandern in den Keller, ins Gartenhaus oder ins Büro im Obergeschoss und arbeiten dort als „WLAN-Verlängerung“ weiter. Typische Konstellationen:

  • Der alte Speedport hängt per Kabel hinter der neuen FRITZ!Box und funkt im Obergeschoss als zusätzlicher Access Point.
  • Im kleinen Büro hat jemand vor Jahren „schnell noch ein WLAN fürs Lager“ eingerichtet – mit einem Gerät, das gerade übrig war.
  • Nach einem Anbieterwechsel steht der alte Router noch eingesteckt neben dem neuen, „falls mal was ist“.

Gerade bei WPSplinter ist das tückisch. Der Angriff läuft über Funk, nicht über den Internetanschluss. Ein alter Router, der nur noch als Access Point im Hausnetz arbeitet, ist damit genauso angreifbar wie als Hauptrouter. Und weil häufig dasselbe WLAN-Passwort wie auf dem neuen Router eingetragen ist, verrät ein ausgelesenes Passwort im Zweifel gleich den Zugang zum ganzen Netz – mit NAS, Drucker, Kameras und Arbeitsrechnern.

Warum „WPS abschalten“ hier nicht reicht

Normalerweise ist „WPS deaktivieren“ ein solider Tipp. Bei WPSplinter warnt der Entdecker ausdrücklich davor, sich darauf zu verlassen: Ein Schalter in der Oberfläche entferne den verwundbaren Programmteil möglicherweise nicht vollständig. Ob er bei einem bestimmten Modell trotzdem hilft, lässt sich von außen nicht sicher sagen.

Anders sieht es aus, wenn ein Provider WPS zentral in der Firmware abschaltet, wie es der belgische Anbieter Proximus nach Angaben des Forschers für seine Geräteflotte getan hat. Das ist aber eine Maßnahme des Anbieters, nicht etwas, das Sie selbst per Häkchen nachbauen können. Die eigentliche Lösung ist ein Firmware-Update – und für ältere Geräte auf eCos-Basis gibt es laut Kaiser vermutlich gar keinen Weg dorthin.

Was Sie jetzt konkret tun können

  1. Alle WLAN-Geräte zusammensuchen. Nicht nur den Hauptrouter, sondern auch Repeater, Access Points und alte Router, die noch irgendwo funken. Eine kurze Runde durchs Haus oder Büro reicht meist. Hinweise liefert auch die Liste der WLAN-Namen auf dem Smartphone: Taucht dort noch der Name eines alten Netzes auf, das eigentlich längst stillgelegt sein sollte, lohnt sich die Suche nach dem zugehörigen Gerät.
  2. Genaues Modell ablesen. Auf dem Typenschild an der Unterseite steht die vollständige Bezeichnung. Bei Speedports ist der „Typ“ (A, B, C) entscheidend – ein W 724V Typ B ist ein anderes Gerät als ein Typ A.
  3. Mit der Liste abgleichen. Steht Ihr Gerät auf der Projektseite oder in den Presseberichten, behandeln Sie es als betroffen, bis der Hersteller oder Provider etwas anderes sagt.
  4. Betroffenes Altgerät abschalten – nicht nur WPS. Wird ein gelisteter Router nur noch als Zweit-WLAN genutzt, ist der pragmatische Weg: vom Strom nehmen und durch einen aktuellen Repeater, Mesh-Knoten oder Access Point ersetzen. Das kostet überschaubar Geld und spart künftige Grübelei.
  5. Beim Provider nachfragen, wenn es der Hauptrouter ist. Nennen Sie Modell, Typ und Firmware-Version und fragen Sie direkt nach einem Update gegen WPSplinter oder einem Austauschgerät. Bei Mietgeräten ist der Anbieter ohnehin der richtige Ansprechpartner.
  6. WLAN-Passwort ändern, wenn ein betroffenes Gerät lange in Betrieb war. Nicht weil ein Angriff wahrscheinlich ist, sondern weil sich ein ausgelesenes Passwort nicht bemerken lässt. Spätestens nach dem Austausch ist ein neues Passwort sinnvoll – besonders, wenn das alte Gerät dasselbe Passwort wie der Hauptrouter hatte.

Wie Sie grundsätzlich prüfen, ob ein Router noch gepflegt wird, haben wir in „Router-Updates: Warum ‚läuft doch noch‘ kein Sicherheitskonzept ist“ beschrieben. WPSplinter ist gewissermaßen der Praxisfall dazu: ein Fehler, der sich bei manchen Geräten schlicht nicht mehr beheben lässt.

Was ist, wenn das WLAN am alten Gerät komplett aus ist?

Manche nutzen einen alten Router nur noch als Modem oder Telefonanlage und haben das WLAN vollständig deaktiviert. Da der Angriff über Funk erfolgt, ist das Risiko in diesem Fall naheliegenderweise deutlich geringer. Ausdrücklich bestätigt hat der Forscher das allerdings nicht, und ein Gerät ohne Sicherheitsupdates bleibt am Übergang zum Internet ohnehin keine Dauerlösung. Unsere Einordnung: Als Übergang vertretbar, als Plan für die nächsten Jahre nicht.

Grenzen und offene Punkte

  • Die Geräteliste ist unvollständig und wird laufend ergänzt. Dass ein Modell fehlt, heißt nicht, dass es sicher ist.
  • Ob und wann Telekom, Vodafone oder andere Hersteller für einzelne Linux-basierte Modelle Updates liefern, ist offen.
  • Zu realen Angriffen gibt es keine belastbaren Berichte. Das kann sich ändern, sobald mehr technische Details verbreitet sind.
  • Die Prüfwerkzeuge des Forschers (Firmware-Analyse und Funk-Test) sind für Fachleute gedacht und liefern nur Hinweise, keinen Beweis. Für Privatanwender ist der Abgleich von Modell und Firmware der realistische Weg.
  • Stand dieses Beitrags: 1. November 2026 (Quellen am 01.11.2026 erneut abgerufen und mit den Aussagen abgeglichen).

Fazit: Einmal durchs Haus gehen lohnt sich

WPSplinter ist kein Grund, den aktuellen Router in Panik vom Netz zu nehmen. Die in Deutschland genannten Modelle sind durchweg ältere Geräte, und der Angreifer muss in Funkreichweite sein. Gefährlich wird es dort, wo alte Technik unbemerkt weiterläuft – als Zweit-WLAN im Keller, im Lager oder im Gartenhaus. Für diese Geräte gilt: identifizieren, abschalten, durch etwas Aktuelles ersetzen, Passwort ändern. Ein WPS-Häkchen ersetzt diesen Schritt diesmal nicht.

Wer ohnehin aufräumt, kann bei der Gelegenheit auch die Grundeinstellungen des Hauptrouters prüfen – siehe „Die wichtigsten Ersteinstellungen für Ihre FRITZ!Box“ – und überlegen, ob Smart-Home-Geräte und Gäste nicht besser in ein eigenes Netz gehören: „Smart Home im selben WLAN?“. Und wenn das alte Gerät bisher Funklöcher gestopft hat: Welche Lösung dafür taugt, steht in „Mesh-System oder Repeater?“.

Sie sind unsicher, welche Geräte bei Ihnen WLAN ausstrahlen, oder möchten den alten Zweitrouter sauber ersetzen? DGH-IT schaut sich das gern mit Ihnen an – ohne Verkaufsdruck.

Quellen & weiterführende Informationen

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